Ganzes Werk • Friedrich
Texte inszenieren
beim Lesen lassen wir neue Welten entstehen, wir reisen durch die Zeit oder lösen knifflige Kriminalfälle. Alles nur in unserer Vorstellungskraft. Stundenlang bewegen wir uns beim Lesen einer packenden Geschichte kaum – bis wir an die spannendste Stelle eines Textes gelangen. Dann steigt der Puls, die Hände beginnen zu schwitzen und manchmal hält es uns auch nicht mehr auf dem Stuhl. Das Lesen regt nicht nur mentale und kognitive Prozesse an, sondern es involviert uns auch körperlich. Unter dem Rückgriff auf körperliche Erfahrungen versuchen wir, einen Text zu verstehen, indem wir uns z.B. mit dem Protagonisten identifizieren und mit ihm die Handlung erleben. Gleichzeitig werden beim Lesen körperliche Erfahrungen aktualisiert und erweitert. Forschungsergebnisse legen zudem nahe, dass nicht nur das Miterleben und die körperlichen Reaktionen während des Lesens das Textverstehen unterstützen, sondern dass ein handelnder Umgang mit Texten das Textverständnis erhöht. In der Inszenierung, im gestalteten Sprechen und Spielen, im sinnlich Erlebbarmachen von Texten liegt demnach ein großes Potenzial für den Deutschunterricht, denn das körperliche Nacherleben und Nachvollziehen des zuvor Gelesenen aktiviert die Emotionalität und Körperlichkeit der Schülerinnen und Schüler. Diese ganzheitliche Sichtweise eröffnet neue und andere Zugänge, die allen Kindern zugutekommen. Dieses Heft möchte Sie anregen, Texte des Deutschunterrichts buchstäblich „in Szene zu setzen“ und so für Kinder erfahrbar zu machen. Dabei wird das Inszenieren in einem sehr weiten Sinn verstanden. Es geht dabei sowohl um die Inszenierung auf der Bühne als auch um ganzheitliche Möglichkeiten der Textauseinandersetzung, die das Besondere eines Textes hervorheben oder einen (sinnlichen) Zugang ermöglichen können. Ob Sie im klassischen Sinne einen Text mit den Kindern nachspielen, Figuren eines textlosen Bilderbuches eine Stimme verleihen oder die Geruchswelt des Orients ins Klassenzimmer holen – immer soll ein, die Sinne und den Körper aktivierendes Texterleben das Ziel der Inszenierung bilden.
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Deutsch
1.-4. Klasse
Grundschule
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